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Wie ein neuer zukunftsweisender Ansatz die Kreislaufwirtschaft verändern kann

Es reicht nicht, die Dinge weniger schädlich zu machen. Sie müssen uns nützlich sein.
Professor Dr. Michael Braungart, Gründer und wissenschaftlicher Geschäftsführer von EPEA

Eine neue Philosophie – ein zukunftsweisendes Konzept

Die Kreislaufwirtschaft liegt momentan im Trend. Das Grundprinzip der Zirkularität gibt es jedoch schon seit geraumer Zeit. Professor Dr. Michael Braungart, Gründer und wissenschaftlicher Geschäftsführer von EPEA, einem Umweltforschungs- und Beratungsinstitut mit Hauptsitz in Hamburg, hat bereits in den 1990er Jahren mit Kollegen die „Cradle to Cradle®“Philosophie entwickelt. Heute arbeitet er mit Unternehmen und Regierungen zusammen, um Cradle-to-Cradle-Lösungen zu finden. Hier beschreibt er das zukunftsweisende Konzept.

Was steckt hinter dem Cradle-to-Cradle-Konzept?
Cradle-to-Cradle ist von der Natur inspiriert und bedeutet „von der Wiege zur Wiege“ oder „vom Ursprung zum Ursprung“. In der Natur hat alles einen Ursprung und ist darauf angelegt, Nährstoff für etwas anderes zu sein. Wir sprechen von Cradle-to-Cradle, weil keine wertvollen Rohstoffe verlorengehen. Das Konzept steht für Innovation, Qualität und gutes Design und beschreibt die sichere und potenziell unendliche zyklische Nutzung von Materialien. Es geht darum, Produkte intelligenter zu gestalten und Materialien effektiver zu nutzen, damit Wirtschaft und Natur gedeihen und wachsen können.

Was bedeutet das in der Praxis?
Die Produkte müssen so konzipiert sein, dass sie sorgfältig zerlegt werden können, um durch biologischen Abbau oder durch Recycling zu „Nährstoffen“ für neue Produkte zu werden. Alles, was beim Gebrauch verschleißt oder sich zersetzt, muss in die Biosphäre zurückkehren – Abfall ist gleich Nährstoff. Alles, was weder Abnutzung noch Zersetzung unterliegt, gehört in die Technosphäre und kann wiederverwendet werden. Bei unserem Ansatz geht es nicht darum, unseren ökologischen Fußabdruck zu minimieren, sondern darum, seine Effektivität zu maximieren.

Warum liegt Ihr Fokus auf Effektivität und nicht auf Effizienz?
Die Natur ist nicht effizient. Sie ist effektiv. Wir müssen der Natur nacheifern, was ihre Schönheit, Funktionalität und Effektivität angeht. Anstatt das Falsche zu optimieren, müssen wir uns zuerst fragen, was das Richtige ist. Menschen, die versuchen, Kunststoff aus recycelten Kunststoffen zu verwenden, sind ein Beispiel dafür. Es reicht nicht, die Dinge weniger schädlich zu machen. Sie müssen uns nützlich sein. Das Falsche wird dadurch, dass wir es perfektionieren, nicht zum Richtigen.

Was ist das Richtige?
Wir haben Materialien für Bahnsitze entwickelt, die am Ende als Kompost in Gärtnereien landen, anstatt als Sondermüll verbrannt zu werden. Und Cradle-to-Cradle-Teppiche, die nicht nur frei von Schadstoffen sind, sondern auch noch den Feinstaub aus der Luft holen.

Was könnte die Papierindustrie verbessern?
Papier ist schon von sich aus ein schönes Material. Trotzdem gibt es hier Möglichkeiten, es zu optimieren. So wurde beispielsweise mein Buch „Cradle to Cradle: Einfach intelligent produzieren“, das ich 2002 mit dem amerikanischen Architekten William McDonough geschrieben habe, auf Papier gedruckt, das vollständig kompostierbar ist. Wir können es schaffen. Ein sicheres und wirtschaftliches Papierrecycling setzt ein gesundes Druckverfahren voraus.

Etwas Inspirierendes zum Abschluss?
Cradle-to-Cradle verbindet europäisches Problemdenken mit einer amerikanischen, pragmatischen Herangehensweise. Wir brauchen beides. Wir müssen auch die asiatische Sichtweise verstehen, wonach der Mensch Teil der Natur ist. Und es reicht nicht, zu fragen, was eine Kreislaufwirtschaft oder ein Cradle-to-Cradle-Ansatz leisten kann, sondern wir müssen das Innovationspotenzial sehen. Cradle-to-Cradle ist kein moralisches Thema. Es ist nur ein Innovationsthema. Es geht um Qualität. Das ist alles.
                      

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